Unser Friedhof

Es war lange Zeit eine Selbstverständlichkeit, dass die Toten der Pfarrei im Schatten der Kirche bestattet wurden; sie sollten an der Stelle der Auferstehung harren, an der sie auch ins Reich Gottes aufgenommen wurden. Der Kirchhof muss sehr klein gewesen sein, denn daneben gab es noch ein s. g. Beinhaus. Hier wurden die Gebeine der Toten gesammelt, deren Gräber bei einer Neubelegung beseitigt wurden. In den Jahren 1570 und 1621 hatten auch die mit Kapellen ausgestatteten Filialorte Gondenbrett, Hermespand, Langenfeld, Reuth, Neuendorf und Ormont eigene Kirchhöfe. Die Kapelle Reuth erhielt 1621 die Anweisung, den Kirchhof einzustellen, "denn es war zweifelhaft, ob er geweiht“ war. Seit der Visitation von 1640 sind auch die Kirchhöfe in Neuendorf und Langenfeld geschlossen. 1817 riss man das Beinhaus ab, die Gebeine wurden in eine normale Grabstelle umgebettet. Beim Herannahen der Cholera 1836 schlug man Teile des alten Frühmessergartens dem Kirchhof zu. 1949 plante man "aus Gründen der Pietät und aus gesundheitspolizeilichen Gründen" den Bau einer Friedhofsanlage, jedoch konnte die Gemeinde die Kosten von 22 000 DM nicht aufbringen; man begnügte sich zunächst damit, die zerstörte Kirchhofsmauer auszubessern.

 

Kirchhof mit Notglockenturm 1950             

Am Totensonntag 1952 konnte Pfarrer Graef unter starker Beteiligung der Pfarrangehörigen den neuen Friedhof einsegnen. Die musikalische Gestaltung übernahm der Kirchenchor unter der Leitung von Peter Molitor. Wochen vorher fanden hier schon Gefallene des II. Weltkrieges, die aus ihren im Gelände verstreuten Gräbern umgebettet worden waren, ihre letzte Ruhe. Im gleichen Jahre folgte die Wwe. Schmitz aus Neuendorf als erste den toten Soldaten auf den neuen Friedhof nach. Am 6.4.1961 erfolgten die letzten Umbettungen vom alten Kirchhof.

Die Fertigstellung der Anlagen zog sich bis 1964 bzw. 1968 hin, als auch der Zugang geschaffen wurde. 

 

 

Friedhof 1995


Im Rahmen der Dorferneuerung wurden 1990 umfangreiche Erweiterungs- und  Umgestaltungsmaßnahmen abgeschlossen. An den Gesamtkosten von rund 140 000 DM beteiligte sich die Landesregierung mit 60 000 DM. Durch Vergrößerung des Geländes konnte bei der Leichenhalle mehr Raum für die Trauergemeinde geschaffen werden. Diese Baumaßnahmen und das gärtnerische Geschick des Gemeindearbeiters Josef Thomas haben ein neues Schmuckstück geschaffen, das bei Einheimischen und Fremden gleichermaßen Anerkennung findet.
 Ein Olzheimer Bürger, bekannt für markige Sprüche, brachte seine Bewunderung für die gelungene Arbeit auf seine Weise zum Ausdruck: "Schien, wirklich schien; et mäscht wille rischdisch Spaß, hei beschrawen ze jenn."

 

Quelle: Diethelm Dräger "Ulmezum-Olzheim" S. 139/140

Fotos: Chr. Knauf, J. Thomas