Pfarrkirche St. Brictius

 

 

 

 

Aus der Zeit vor 1300, als Olzheim noch Filiale von Rommersheim war, liegen uns zwar keine Urkunden oder Hinweise über den Bau der ersten Kirche vor, doch dürfte dieser in bedeutend früherer Zeit erfolgt sein, vermutlich schon um 800, da die Pfarrei 1330 mit sechs Filialen schon recht groß war. Um 1470 setzten Truppen des Erzstiftes Trier die Kirche in Brand. Offenbar sah man sich erst im Jahre 1485 in der Lage, den Wiederaufbau in Angriff zu nehmen.

Die zweite Kirche war nach Aussagen von Zeitgenossen ein herrliches, gotisches Kirchlein mit einem zweijochigen Schiff und dreiseitig geschlossenem Chorhaus.

Das Schiff war 9,35 m lang und 7,87 m breit im lichten Maß. Die Gewölbegrate saßen auf Konsolen, und Engelfigürchen mit Wappenschildern und Musikinstrumenten zierten die Schnittpunkte des Gewölbes, alle Fenster besaßen gotisches Maßwerk. Der schlicht geputzte Bruchsteinbau stand bis 1922 als Wahrzeichen unseres Ortes. 1841 entschied man sich zur Erweiterung der Kirche. Schon bald sollten sich diese Baumaßnahmen als völlig unzureichend erweisen. Pastor Libert konnte wegen der ärmlichen Verhältnisse zwar noch nicht an einen Neubau denken; erst sein Nachfolger Dr. J. Peters, der am 5.12.1912 nach Olzheim kam, legte den Grundstein.

Am 27.10.1924 konnte das neue Gotteshaus unter Beteiligung der gesamten Geistlichkeit des Dekanates und vieler Gäste eingeweiht werden. Niemand konnte ahnen, dass dieses herrliche Bauwerk nur 20 Jahre Bestand haben sollte: Am 27.12.44 in den Nachmittagsstunden warf ein feindlicher Bomber u. a. auch die Kirche und das Pfarrhaus in Trümmer. 

m August 1949 begannen die  Aufräumarbeiten und der Wiederaufbau. Am Feste des hl. Brictius begleitete die Gemeinde das Allerheiligste aus der Schule, die als Notkirche gedient hatte, in das neue Gotteshaus. 
Im Mai 1964 hatte Olzheim wieder ein Wahrzeichen: Mit dem fertig gestellten fast 35 m hohen Glockenturm war der Bau des 4. Olzheimer Gotteshauses abgeschlossen.

Anfang Januar 1990 brach ein Schwelbrand in der Pfarrkirche aus. Die Feuerwehr räumte das Mobiliar aus, und unter den wachsamen Augen von Organist Manfred Kuhl baute Orgelbauer Matthias Peter die Orgel ab.

Die Kirche war schon lange kein Schmuckstück mehr, sondern eher ein kalter, vernachlässigter Wartesaal. So witzelte denn auch der Volksmund nach dem Brand, der hl. Josef in der Krippe habe absichtlich seine Pfeife ins Heu gelegt, weil er dem Jesusknaben den Anblick dieser tristen Umgebung habe ersparen wollen.

Nach zähem Ringen konnte Einigkeit über das Ausmaß und die Art der Renovierung erzielt werden. Über ein Jahr lang fanden die Gottesdienste nun in Neuendorf bzw. in Kleinlangenfeld statt, und in dieser Zeit, so Pfarrer Engel, wagte kein Olzheimer zu sterben, bis die Pfarrkirche in neuem Glanze erstrahlte.

Gläubige und Besucher sind sich einig: Hier ist ein wahres Schmuckstück entstanden.

 

Quelle: Diethelm Dräger "Ulmezum-Olzheim" S. 130-135

Foto: Manfred Klein